Kompositionskurs unter der Leitung von

 William Godfree, Dr Paul Goodey oder Pierre Feyler

Der Kurs besteht aus zwei Modulen: Studenten erhalten abwechselnd jeweils eine Stunde Einzel- sowie am Folgetag eine Stunde Englischunterricht.
Der Inhalt des Einzelunterrichts wird individuell auf den Leistungsstand des Studenten abgestimmt. Das Ziel des Kurses ist die Komposition eines eigenen Stücks, das auf dem Abschlusskonzert vorgeführt wird (sofern dies zeitlich möglich ist und Musiker zur Verfügung stehen).

Im Laufe des Kurses werden den Studenten die verschiedensten Kompositionstechniken vorgestellt. Je nach ästhetischer Präferenz der Studenten stehen dabei die traditionelle Tonalität oder auch komplexere musikalische Ausdrucksformen im Vordergrund.

Zusätzlich werden verschiedene Notensatzprogramme mit Schwerpunkt auf der Notationssoftware Sibelius behandelt.

Im Unterricht erhalten die Studenten einen Überblick über einige der wichtigsten Strömungen, die der zeitgenössischen Musik zugrunde liegen, darunter

o   Nationalismus

Einige Komponisten des 19. Jahrhunderts entwickelten einen musischen Stil, der stark vom Nationalismus geprägt war; so sollten ihre Kompositionen charakteristische landestypische Elemente aufweisen. Die Komponisten verwendeten der Folkloremusik entlehnte Melodien und basierten ihre Werke auf den Geschichten, Legenden und Erzählungen ihres Landes. Zu Anfang des 20. Jahrhunderts waren aus Propagandazwecken oft Regierungen die treibende Kraft hinter nationalistischen Strömungen.

        Zu den Komponisten nationalistischer Musik zählen Jean Sibelius, Edvard Grieg, Antonin Dvorak  Carl Nielsen, Zoltán Kodály,  Aaron Copland, Edward Elgar, Dmitri Shostakovich und Stephen Foster.

o   Neoklassizismus

Wie der Name schon sagt, kam mit dem Neoklassizismus eine Art „neuer Klassizismus“ auf. Dieser kombinierte musikalische Elemente aus dem Klassizismus, wie zum Beispiel tonale Zentren, klare Linien und Melodierichtungen, mit modernen Elementen wie ungewöhnlichen Rhythmen, sperrigen Dissonanzen und der Chromatik.

Die neoklassizistische Strömung war weit verbreitet, so fallen die Werke vieler Komponisten aus ganz Europa (und den USA) in diese Kategorie. Einige der bekanntesten neoklassizistischen Komponisten sind Igor Stravinsky, Paul Hindemith, Dmitri Shostakovich, Sergei Prokofiev und Aaron Copland. Der Neoklassizismus entstand als Gegenreaktion auf die starke musikalische Experimentierfreudigkeit zu Beginn des Jahrhunderts und war für viele Musiker eine Möglichkeit, zu den Wurzeln der musikalischen Tradition zurückzukehren. Trotz des Wiederaufgreifens klassischer Elemente behielten diese dabei jedoch auch moderne musikalische Aspekte bei. Das Ziel war nicht die Rückkehr zur alten musikalischen Sprache, sondern lediglich ein Verweis auf Traditionen.

Wie auch Arnold Schönbergs Zwölftontechnik war der Neoklassizismus eine Reaktion auf die in musischer Hinsicht chaotischen Jahre zwischen 1910 und 1920; beide Strömungen wollten Ordnung in die stürmische Musik des frühen 20. Jahrhunderts bringen. Im Unterschied zu den Komponisten des Neoklassizismus, die bewährte musikalische Elemente wiederaufgriffen, schuf Schönberg mit der Zwölftontechnik jedoch eine komplett neue musikalische Sprache.

o   Impressionismus

Eine in Frankreich entstandene Strömung des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts. In der Musik wurde sie als Gegenreaktion auf den dramatischen und dynamischen Pathos der romantischen Musik (vor allem Wagner) durch den Komponisten Debussy eingeleitet. Parallel zur impressionistischen Strömung in der französischen Malerei entwickelte Debussy einen musikalischen Stil, in dem starke Emotionen sowie die Handlung in der Programmmusik durch Atmosphäre und Stimmung ersetzt wurden. Er verwendete neue Akkordkombinationen, Ganztonakkorde, Chromatik und ausgefallene Rhythmen und Tonleitern. Debussy rückte von der üblichen harmonischen Abfolge ab; für ihn stand nicht die Beziehung mehrerer Akkorde zueinander, sondern der Wohlklang einzelner Akkorde im Vordergrund, und Dissonanzen wurden weder eingeleitet noch aufgelöst. Obwohl der musische Impressionismus als Gegenströmung zur Romantik entstand, wird er heute als Gipfel der Romantik angesehen. Der Impressionismus war ein prägender Einfluss für viele Komponisten, darunter Ravel, Dukas, Respighi, Albéniz, de Falla, Delius, C. T. Griffes und J. A. Carpenter.

 

o   Zwölftontechnik oder Dodekaphonie

Die Zwölftontechnik ist ein von Arnold Schönberg entwickeltes Kompositionsverfahren. Musik, die auf der Basis dieser Technik komponiert wird, nennt sich Zwölftonmusik. Zur gleichen Zeit entwickelte Schönbergs Landsmann Josef Matthias Hauer (völlig unabhängig von Schönberg) ein ähnliches System auf der Grundlage von Sechstonreihen bzw.Tropen.

Schönberg selbst beschrieb die Technik als eine Kompositionsmethode auf der Grundlage von „12 nur aufeinander bezogenen Tönen“. Die von ihm erfundene Kompositionstechnik stützt sich auf die zwölf Töne der chromatischen Tonleiter in einer festgelegten Reihenfolge (Benward, 303). Die zwölf Tonklassen werden in eine bestimmte Reihenfolge gesetzt und bilden so ein kompositorisches Hilfsmittel (Sadie, 286). Die Technik wurde um 1920 entwickelt und stellt eine schlüssige Grundlage für komplett chromatische Musik dar.

Die Schwierigkeit der Komposition in einer atonalen Musiksprache besteht darin, melodische und harmonische Kräfte auf kluge Art zu bündeln. „Einige Methoden, um diese Kräfte durch kontrapunktische und harmonische Mittel zu mobilisieren, gleichen vielen in der frühen westlichen Polyfonie verwendeten Methoden“ (Marquis, 185). Diese sind jedoch um einiges komplexer als die in der traditionellen westlichen Polyfonie eingesetzten Mittel, weshalb Schönberg spezielle Reihentabellen erstellte, die beim Komponieren helfen sollten.

o   Jazz

o   Minimalismus

Die minimalistische Strömung in der Musik war, wie auch in der Kunst, eine Gegenreaktion auf vorherrschende starre Formen und richtete sich gegen die intellektuelle Komplexität und emotionale Sterilität der seriellen Musik und anderer moderner Musikformen. Ganz allgemein unterstreichen minimalistische Kompositionen üblicherweise die Einfachheit der Melodielinie und der harmonischen Abfolge; sie legen Wert auf Wiederholungen und rhythmische Muster und nehmen Abstand von historischen oder expressiven Verweisen. Die minimalistische Musik setzt häufig elektronische Instrumente ein und weist asiatische und afrikanische Einflüsse auf. Zu den bekannten Komponisten des Minimalismus gehören Philip Glass, Steve Reich, Terry Riley, La Monte Young und John Adams.


Ein wichtiger Aspekt des Kurses stellt das Hören und Analysieren von Musik dar – dies soll zu Diskussionen anregen und die Kreativität der Studenten anregen.

Die im Laufe des Kurses komponierten Werke werden nach Kursende von den Studenten oder Lehrern in einem Konzert aufgeführt.